Ein neuer Ansatz für den Support in der industriellen Automatisierung
Rockwell Automation hat den TechConnectIQ Support eingeführt, ein neues Remote-Support-Erlebnis für Hersteller, die mit zunehmend komplexen Automatisierungssystemen und begrenzten technischen Ressourcen vor Ort arbeiten.
Der Service erweitert Rockwells etabliertes TechConnect-Supportmodell, indem er technische Unterstützung per Fernzugriff mit digitalen Tools, Geräteinformationen und KI-gestützten Ressourcen kombiniert. Das Ziel ist klar: Wartungs-, Engineering- und Betriebsteams sollen Probleme diagnostizieren, Aktualisierungen durchführen und die Produktion wiederherstellen können, ohne vollständig auf physische Vor-Ort-Einsätze angewiesen zu sein.
In modernen Fertigungsanlagen adressiert dieser Ansatz ein praktisches Engineering-Problem. Automatisierungssysteme werden zunehmend vernetzter, während erfahrene Fachkräfte immer häufiger auf mehrere Standorte verteilt sind. Technischer Remote-Support wird daher zu einem Bestandteil der betrieblichen Infrastruktur einer Anlage und ist nicht mehr nur ein Kundendienst nach dem Kauf.
Rund um die Uhr Fernzugriff auf technische Spezialisten
TechConnectIQ Support bietet berechtigten Kunden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr Zugang zu technischen Supportingenieuren von Rockwell. Der Support umfasst Installation, Konfiguration, Fehlerbehebung und Problemlösung für Systeme der industriellen Automatisierung .
Der Service nutzt webbasierte Tools, geplante Rückrufe und Live-Support, um Anlagenpersonal mit technischen Spezialisten zu verbinden. Dieses Modell kann die Zeit verkürzen, die zur Identifizierung von Problemen erforderlich ist, für die andernfalls eine Eskalation oder ein Vor-Ort-Serviceeinsatz notwendig wäre.
Aus Engineering-Sicht ist dieser Nutzen insbesondere bei der Inbetriebnahme von Steuerungssystemen, Konfigurationsänderungen und unerwarteten Gerätefehlern relevant. Ein schnellerer Zugriff auf die richtigen technischen Informationen kann Diagnosezyklen verkürzen und unnötige Produktionsunterbrechungen reduzieren.
Bessere Übersicht über installierte Automatisierungsanlagen
Ein weiterer Bestandteil von TechConnectIQ ist der myRockwellAutomation-TechConnect-Hub, der Zugriff auf Informationen zur installierten Basis und auf die Supporthistorie bietet.
Die Übersicht über installierte Automatisierungsgeräte wird immer wichtiger, da Anlagen mit gemischten Generationen von Steuerungen, Antrieben, Netzwerken, Software und Firmware betrieben werden. Die Fehlerbehebung wird effizienter, wenn Ingenieure die Gerätekonfiguration und frühere Supportaktivitäten verstehen können, bevor sie mit der Diagnose beginnen.
Diese Art zentralisierter Informationen kann auch die Wartungsplanung unterstützen. Anstatt jede Serviceanfrage als isoliertes Ereignis zu behandeln, können Wartungsteams historische Supportinformationen nutzen, um wiederkehrende Probleme zu erkennen und fundiertere Entscheidungen über Systemaktualisierungen oder einen Austausch zu treffen.
Gebündelter Hardware- und Software-Support
Rockwell vereinfacht außerdem seine Supportstruktur, indem Hardware- und Softwareabdeckung in drei Supportstufen gebündelt werden: Basic, Standard und Professional.
Für Hersteller, die große Automatisierungsinstallationen verwalten, kann die Supportstruktur kompliziert werden, wenn Hardware, Software und Lifecycle-Services getrennt behandelt werden. Ein gebündeltes Modell kann die Ermittlung der passenden Supportstufe für eine bestimmte Anlage erleichtern.
Die Supportabdeckung sollte jedoch weiterhin anhand der tatsächlichen Automatisierungsarchitektur bewertet werden. Anlagen mit Sicherheitssystemen, verteilten Steuerungsumgebungen, Hochgeschwindigkeitsanwendungen für die Bewegungssteuerung oder komplexen industriellen Netzwerken können deutlich andere Supportanforderungen haben als standardmäßige SPS-Installationen.
KI-gestützte Tools erweitern die Remote-Fehlerbehebung
TechConnectIQ führt außerdem KI-gestützte Funktionen ein, darunter eine föderierte Suche, Augmented-Reality-Anleitungen und Schulungsvideos.
Die wichtige Entwicklung ist nicht einfach nur die Ergänzung des technischen Supports durch KI. Die wesentlichere Veränderung liegt in der Integration von KI mit Engineering-Informationen und Fernunterstützung.
Eine föderierte Suche kann Nutzern helfen, relevante technische Informationen aus verschiedenen Quellen zu finden, während Schulungsinhalte dem Wartungspersonal bei der Fehlerbehebung praktische Anleitung geben können. Augmented Reality kann außerdem Remote-Mitarbeiter unterstützen, indem sie bei der Inspektion von Anlagen oder bei Wartungsarbeiten visuelle Hilfestellung bietet.
KI sollte in industriellen Umgebungen nicht das Engineering-Urteilsvermögen ersetzen. Ihre nützlichste Rolle besteht vielmehr darin, den Zeitaufwand von Ingenieuren für die Informationssuche, das Auffinden von Dokumentationen und die Durchführung wiederkehrender Diagnoseaufgaben zu reduzieren.
Remote-Support kann die Abhängigkeit von Vor-Ort-Einsätzen verringern
Rockwell positioniert TechConnectIQ als Möglichkeit, den Bedarf an Vor-Ort-Einsätzen zu reduzieren und Herstellern dabei zu helfen, Probleme effizienter zu lösen.
Für geografisch verteilte Produktionsbetriebe ist dies von Bedeutung. Ein einzelner Automatisierungsspezialist kann für mehrere Produktionslinien oder Anlagen verantwortlich sein, wodurch eine physische Reaktion zunehmend schwieriger skalierbar wird.
Remote-Support kann den Bedarf an Engineering-Einsätzen vor Ort nicht vollständig beseitigen. Hardwareausfälle, elektrische Fehler, Inbetriebnahmen und bestimmte sicherheitsrelevante Eingriffe erfordern weiterhin Personal vor Ort. Die Ferndiagnose kann jedoch klären, ob ein Problem tatsächlich einen physischen Eingriff erfordert, bevor Ingenieure zur Anlage reisen.
Diese Unterscheidung kann die Wartungseffizienz verbessern und unnötige Serviceaktivitäten reduzieren.
Verfügbarkeit zunächst in Nordamerika
TechConnectIQ Support ist derzeit für Vertragskunden mit einem einzelnen Standort in Nordamerika verfügbar. Rockwell hat angekündigt, dass für 2027 weitere Regionen geplant sind.
Aufgrund der anfänglichen regionalen Beschränkung sollten Hersteller die Serviceverfügbarkeit, die Vertragsberechtigung und den geltenden Supportumfang prüfen, bevor sie TechConnectIQ in ihre Wartungsstrategie integrieren.
Für Anlagen, die bereits Automatisierungsprodukte von Rockwell einsetzen, kann der Service eine zusätzliche Verbindungsebene zwischen dem Anlagenpersonal und herkömmlichen Vor-Ort-Serviceabläufen darstellen.
Engineering-Perspektive: Support wird zu einem Bestandteil der Automatisierungsarchitektur
Die Einführung von TechConnectIQ spiegelt eine umfassendere Veränderung in der industriellen Automatisierung wider.
Historisch war der Support für Automatisierung stark von lokalem Fachwissen, Wartungsdokumentation und Vor-Ort-Serviceingenieuren abhängig. Moderne Anlagen benötigen zunehmend eine Kombination aus Remote-Konnektivität, zentralisierten Gerätedaten, digitaler Dokumentation und intelligenten Diagnosetools.
Das bedeutet nicht, dass der Ingenieur für industrielle Automatisierung weniger wichtig wird. In der Praxis könnte das Gegenteil der Fall sein. Da Automatisierungsarchitekturen immer stärker vernetzt werden, müssen Ingenieure nicht nur Steuerungen und Netzwerke verstehen, sondern auch, wie Diagnoseinformationen zwischen Anlage, Supportorganisation und digitaler Serviceumgebung übertragen werden.
Die nützlichsten Remote-Support-Systeme werden daher diejenigen sein, die Engineering-Fachwissen ergänzen, anstatt zu versuchen, es zu ersetzen.
Was TechConnectIQ für Hersteller bedeuten könnte
TechConnectIQ steht für den Übergang zu einem digital stärker vernetzten Supportmodell für die industrielle Automatisierung. Die Kombination aus technischen Spezialisten, Informationen zur installierten Basis, Supporthistorie und KI-gestützten Ressourcen adressiert mehrere häufige Herausforderungen der modernen Fertigung.
Der praktische Nutzen wird letztlich davon abhängen, wie gut sich der Service in die bestehenden Wartungsverfahren, Cybersicherheitsrichtlinien und die Automatisierungsarchitektur eines Kunden integrieren lässt.
Für Hersteller, die mit Fachkräftemangel und zunehmend komplexen Steuerungssystemen konfrontiert sind, kann technischer Remote-Support jedoch eine zusätzliche Möglichkeit bieten, die Engineering-Fähigkeiten aufrechtzuerhalten, wenn erfahrenes Personal nicht physisch verfügbar ist.
Der übergeordnete Trend ist eindeutig: Der Support für die industrielle Automatisierung entwickelt sich vom reaktiven Vor-Ort-Service hin zu kontinuierlicher, digital unterstützter technischer Betreuung.

